PV-Jahr 2024 im Rückblick: Rekordzubau und was 2025 bringt
Rund 16 Gigawatt PV-Zubau, stark gefallene Modulpreise und Speicher als neuer Standard: 2024 war ein Rekordjahr mit verschobenen Gewichten. Was Vermittler und Installateure daraus für 2025 mitnehmen sollten.

Das Photovoltaik-Jahr 2024 endet mit einer bemerkenswerten Zahl: Rund 16 Gigawatt neu installierte Leistung dürften nach aktueller Hochrechnung der Bundesnetzagentur bis Jahresende zusammenkommen — mehr als je zuvor in einem einzelnen Jahr. Damit übertrifft der PV-Zubau 2024 nicht nur das Vorjahr, sondern auch das gesetzliche Ausbauziel deutlich. Gleichzeitig war 2024 ein Jahr der Verschiebungen: Die Nachfrage im privaten Eigenheimsegment kühlte spürbar ab, während Gewerbedächer, Freiflächenanlagen und Stromspeicher zulegten. Für Vermittler und Installateure lohnt sich ein genauer Blick auf die Zahlen — und auf das, was 2025 realistisch zu erwarten ist.
Rund 16 Gigawatt: Der Zubau in Zahlen
Die endgültige Jahresbilanz liegt naturgemäß erst Anfang 2025 vor. Rechnet man die bis November gemeldeten Anlagen jedoch hoch, landet der Bruttozubau 2024 bei rund 16 Gigawatt. Zum Vergleich die Entwicklung der vergangenen Jahre:
| Jahr | Bruttozubau (gerundet) |
|---|---|
| 2021 | ca. 5,7 GW |
| 2022 | ca. 7,4 GW |
| 2023 | ca. 14,6 GW |
| 2024 | ca. 16 GW (hochgerechnet) |
Das im EEG verankerte Ausbauziel von 13 Gigawatt für 2024 wird damit klar übertroffen. Die insgesamt installierte PV-Leistung in Deutschland nähert sich der Marke von 100 Gigawatt — ein Meilenstein, der voraussichtlich schon in den kommenden Monaten erreicht wird.
Verschobene Gewichte: Eigenheim schwächelt, Gewerbe und Freifläche wachsen
Hinter der Rekordzahl steckt eine deutliche Verschiebung zwischen den Segmenten:
- Private Dachanlagen: Nach dem Ausnahmejahr 2023, das von hohen Strompreisen und entsprechender Nachfrage getrieben war, hat sich das Eigenheimsegment 2024 spürbar abgekühlt. Viele Installateure berichten von kürzeren Auftragsbüchern und härterem Preiswettbewerb.
- Gewerbedächer: Anlagen auf Hallen-, Logistik- und Bürodächern haben zugelegt. Sinkende Systempreise und der Wunsch nach kalkulierbaren Stromkosten machen das Segment für Unternehmen zunehmend attraktiv.
- Freiflächenanlagen: Große Solarparks trugen 2024 einen wachsenden Anteil zum Zubau bei und haben den Rückgang im Privatsegment mehr als ausgeglichen.
- Steckersolar: Balkonkraftwerke boomten weiter — begünstigt durch die Vereinfachungen des im Frühjahr verabschiedeten Solarpakets I, darunter die Anhebung der zulässigen Wechselrichterleistung auf 800 Watt.
Für den Vertrieb bedeutet das: Wer bisher ausschließlich das Einfamilienhaus im Blick hatte, sollte 2025 auch Gewerbekunden ansprechen. Dort sind die Projektvolumina größer und die Entscheidungswege oft rationaler.
Modulpreise im Sinkflug
Die vielleicht wichtigste Marktentwicklung des Jahres fand auf der Einkaufsseite statt: Die Preise für Solarmodule sind 2024 weiter deutlich gefallen. Globale Überkapazitäten in der Fertigung und gut gefüllte europäische Lager drückten die Handelspreise; Standardmodule werden inzwischen teils für unter zehn Cent je Watt gehandelt — ein Niveau, das vor zwei Jahren kaum vorstellbar war.
Die Folgen sind zwiespältig:
- Für Endkunden sind schlüsselfertige Anlagen so günstig wie nie. Eine typische Eigenheimanlage kostet heute spürbar weniger als noch Anfang 2023 — das verbessert die Wirtschaftlichkeit und ist ein starkes Verkaufsargument.
- Für Installateure und Händler bedeutet der Preisverfall Margendruck. Wer Ware zu alten Konditionen auf Lager hat, muss abschreiben. Kalkulationssicherheit gibt es derzeit vor allem bei kurzen Beschaffungszyklen.
Speicher: Vom Zubehör zum Standard
Stromspeicher haben sich 2024 endgültig vom optionalen Zubehör zum festen Bestandteil des Angebots entwickelt. Deutlich mehr als jede zweite neue private Dachanlage wird laut Branchenverband inzwischen mit Heimspeicher installiert; kumuliert sind in Deutschland weit über eine Million Heimspeicher in Betrieb. Auch hier sind die Preise merklich gesunken, was die Attach-Rate zusätzlich treibt.
Zwei Trends verstärken die Nachfrage:
- Dynamische Stromtarife und die zunehmende Diskussion um zeitvariable Netzentgelte machen Flexibilität im Haushalt wertvoller.
- Gewerbespeicher rücken in den Fokus, etwa zur Lastspitzenkappung — ein noch junges, aber wachsendes Beratungsfeld.
Für Vermittler heißt das konkret: Ein Angebot ohne Speicheroption ist 2025 kaum noch wettbewerbsfähig.
Ausblick 2025: Optimismus mit Fußnoten
Für 2025 sieht der gesetzliche Ausbaupfad ein Ziel von 18 Gigawatt vor. Ob der Markt dieses Tempo hält, ist derzeit offen — aus mehreren Gründen:
- Politische Unsicherheit: Nach dem Ende der Ampelkoalition steht im Februar 2025 eine vorgezogene Bundestagswahl an. Mehrere energiepolitische Vorhaben liegen bis dahin auf Eis oder werden neu verhandelt.
- Einspeisespitzen und negative Strompreise: In Berlin wird derzeit über Maßnahmen diskutiert, wie mit der wachsenden Solarstromeinspeisung zur Mittagszeit umgegangen werden soll. Was davon wann Gesetz wird, bleibt abzuwarten — Anlagenkonzepte mit Speicher und Eigenverbrauchsoptimierung dürften davon aber eher profitieren.
- Planmäßig sinkende Vergütungssätze: Die EEG-Vergütung für Neuanlagen sinkt turnusgemäß weiter. Das ist kein Einbruch, verschiebt die Argumentation aber weiter in Richtung Eigenverbrauch.
- Margendruck bleibt: Die Konsolidierung unter Installationsbetrieben und Händlern dürfte sich fortsetzen. Wer sauber kalkuliert und verlässlich liefert, gewinnt Marktanteile.
Unterm Strich: Die Nachfragegrundlage ist intakt, die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen so gut wie selten — aber 2025 wird eher ein Jahr der Profis als der Goldgräber. Erfolgreich sein werden Betriebe mit stabiler Auftragspipeline und Vermittler, die Kunden über den reinen Modulpreis hinaus beraten können.
Was heißt das für Vermittler und Installateure?
- Vermittler profitieren von den niedrigen Systempreisen: PV lässt sich leichter denn je als Zusatzangebot platzieren, etwa im Umfeld von Immobilienverkauf oder Sanierung. Speicher und Wallbox gehören dabei in jedes Gespräch.
- Installateure sollten die schwächere Eigenheimnachfrage durch zusätzliche Vertriebskanäle ausgleichen und ihre Kapazitäten stärker über planbare Projektzuflüsse auslasten, statt allein auf Laufkundschaft zu setzen.
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